Traumazentrierte Fachbegleitung und -betreuung

Traumzentrierte Fachberatung

Als freie Mitarbeiterin des Fachinstituts für angewandte Psychotraumatologie, kurz FIFAP, bin ich im Weiterbildungsbereich für zukünftige traumazentrierte Fachbegleiter/-innen und Fachberater/-innen tätig. Dieses Angebot richtet sich vorwiegend an Tätige in Krankenhäusern, sowie der stationären und ambulanten Pflege.

Seit Mitte der 90er Jahre haben die Erkenntnisse der Psychotraumatologie in Deutschland an Bedeutung gewonnen und insbesondere die psychotherapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen zunehmend beeinflusst.

So wichtig diese Entwicklung ist - vernachlässigt wurde dabei bis vor kurzem, dass Begegnungen mit traumatisierten Menschen nicht nur in der Psychotherapie stattfinden, sondern in allen ambulanten und stationären Einrichtungen, so auch in der ambulanten und stationären Alten- und Krankenpflege.

Obwohl die Arbeit mit traumatisierten Menschen dort zum beruflichen Pflegealltag gehört, ist das Wissen um die Besonderheiten im professionellen Umgang mit den Betroffenen daher derzeit noch gering. Pflegende und Betreuende fühlen sich oft hilflos und überfordert, wenn sie mit typischen Traumasymptomen wie bildhaftes Wiedererleben (z. B. von Unfall- oder Kriegsszenarien), Albträumen, massiven Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit oder Wutausbrüchen konfrontiert sind. Das eigene Hilflosigkeitserleben wird dadurch verstärkt, dass die üblichen Herangehensweisen (z. B. zur Beruhigung eines aufgebrachten Menschen) oftmals nicht nur versagen, sondern den Zustand der Betroffenen u. U. sogar verschlimmern. Für viele Pflegende und Betreuende werden so im Laufe der Zeit die Grenzen des persönlich Aushaltbaren erreicht. Körperliche Erschöpfung, und Ohnmachtsgefühle in der Pflege der Bewohner / Patienten sowie zunehmende Fehlzeiten der Pflegenden sind oft Warnhinweise für eine beginnende Stresserkrankung (z. B. psychosomatische Beschwerden, Burnout), die schlimmstenfalls zur vorzeitigen Aufgabe der Berufstätigkeit bzw. der Kündigung des Arbeitsplatzes führen können.

Vor diesem Hintergrund ist im Laufe der Zeit die Notwendigkeit deutlich geworden, Weiterbildungsgänge zu entwickeln, die auf die speziellen Voraussetzungen und den Arbeitsalltag von Alten- und Krankenpflegern genauer zugeschnitten sind. Zielsetzung ist dabei zum einen ein veränderter professioneller Umgang mit traumatisierten Menschen, zum anderen ein achtsamer Umgang mit sich selbst und den eigenen Ressourcen, um Belastungssituationen vorzubeugen.

Das Konzept der traumazentrierten Fachbegleitung und -betreuung basiert auf den Arbeiten des frühen Traumapioniers Pierre Janet, auf den Erfahrungen vieler PraktikerInnen im Bereich der psychosozialen Versorgung und orientiert sich an den aktuellen Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung, wonach eine qualifizierte körperliche, soziale und psychische Stabilisierung, die an die Ressourcen des jeweiligen Bewohner / Patienten anknüpft, für die grundlegende Verbesserung der Befindlichkeit oder sogar die vollständige Erholung psychisch traumatisierter Menschen von zentraler Bedeutung ist.

Häufig reichen allein fachlich fundierte Stabilisierungsmaßnahmen aus, um den Verarbeitungsprozess Richtung Genesung zu unterstützen und damit eine Entwicklung oder Chronifizierung posttraumatischer Störungen zu verhindern.
Bei besonders schwerwiegenden Traumatisierungen und/oder bereits chronifizierten Verläufen dient die Stabilisierung zwei weiteren Zielen: Für schwerer beeinträchtigte Klienten ist die Stabilisierung unabdingbarer Bestandteil eines mehrphasigen Behandlungsplans und kann als Vorbereitung und Begleitung zur Expositionsbehandlung, welche nur von spezifisch ausgebildeten Traumatherapeuten ausgeführt wird, von geschulten Fachbegleitern/-betreuern geleistet werden.

Für Klienten, bei denen keine direkte Traumabearbeitung möglich ist (z. B. bei anhaltendem Täterkontakt, geringer seelischer Belastbarkeit oder demenziellen Erkrankungen), ist die Stabilisierung zumeist der einzig mögliche Interventionstyp überhaupt und zielt vor allen Dingen ab auf die (Wieder-)Erlangung und Aufrechterhaltung von Alltagsfähigkeiten sowie die Ermöglichung von Selbstwirksamkeitserfahrungen auf sozialer, körperlicher und psychischer Ebene.