Eine alltägliche Situation
Diese Gegenüberstellung einer Alltagssituation wurde im Rahmen einer Gruppenarbeit zu dem Thema „Alterns als Veränderungsprozess“ von Schülern in der Ergotherapieausbildung in Wuppertal geschrieben.
Der Text wurde original übernommen.
Eine alltägliche Situation
Die Geschichte von Hans-Dieter
Hans-Dieter ist 75 Jahre alt. Wie jeden Montagmorgen fährt Hans-Dieter zu seinem Hausarzt. Doch an diesem Morgen ist alles anders. Sein Hausarzt ist im Urlaub. Er muss zum Vertretungsarzt.
„Ich gehe genüsslich die Stufen hinunter, mit der einen Hand halte ich mich am Treppengeländer fest, den Stock in der anderen. Diese blöden Stufen, Es wird Zeit für einen Aufzug. Nach dem ich das haus verlassen habe schaue ich auf meine Taschenuhr. Das tue ich immer erst draußen, denn im Flur, bei dem Licht, erkenn ich nichts.
An der Bushalte stelle angekommen, überrennt mich so ein Flegel doch fast und ich verliere meinen Stock. Anstatt einen alten Herrn zu helfen dreht dieser Rüpel sich nur frech um und murmelt etwas Unverständliches in sich hinein. Manieren hat die Jugend heute auch keine. Bei dem Versuch meinen Stock auszuheben wird mir „duselig“ (das muss ich dem Doktor gleich unbedingt sagen). Zum Glück kommt eine nette junge Dame und ist mir behilflich. Vielen Dank.
Nachdem ich mich von dem Schock erholt habe schaue ich auf den Busfahrplan. Welcher Bus war das denn noch einmal? Ich schaue auf meinen Zettel. Ach ja, die 635 war es. Bei meinem Glück kommt die erst einer halben Stunden. Erneut starre ich auf den Busfahrplan und versuche die Ziffern zu erkennen. Irritiert fasse ich mir ins Gesicht. Habe ich meine Brille nicht auf? Doch, da ist sie. Aber warum sehe ich so schlecht? Ich sehe mich um und stelle fest, dass die Straßenlaterne schon wieder defekt ist. Oh, ich habe Glück, der nächste Bus kommt schon in fünf Minuten .
Ich steige vorne in den Bus ein und hole mein Portemonnaie raus und vergewissere mich beim Busfahrer, ob das auch der richtige Bus ist. Da ich die Münzen schlecht greifen kann, bitte ich den Fahrer das Geld für die Fahrkarte heraus zu nehmen. Ich gehe nach hinten durch um mir einen Platz zu suchen, da falle ich fast hin, weil der Bus ruckartig losfährt. Ich verliere das Gleichgewicht und stoße dabei gegen die Person neben mir. Ich entschuldige mich und suche mir mühsam Halt an einer Stange. Ich bin einfach noch nicht alt genug, um einen Platz zu fordern.
Konzentriert achte ich auf die Stimme des Busfahrers, der die nächste Haltestelle ansagt.
Erschöpft beim Arzt angekommen, beschließe ich für die Rückfahrt ein Taxi kommen zu lassen."
Die Geschichte von Kevin-Dustin-Junior
Kevin-Dustin-Junior ist 15,5 Jahre jung. Wie jeden Montagmorgen quält sich Kevin-Dustin- Junior aus dem warmen Bett, um mit dem Bus in die Schule zu fahren. Doch an diesem Morgen ist alles anders. Kevin-Dustin-Junior hat verschlafen. Er muss sich beeilen.
„Ich ziehe im Nu meine Klamotten an, schnappe meine Tasche und sause die Treppe hinunter, wobei ich die letzten Stufen überspringe. Als ich die Tür hinter mir zu mache, sehe in den Bus 645 von weitem ankommen. Also bleibt mir nichts anderes übrig als einen Zahn zu zulegen.
Ich sehe einen alten orientierungslosen Mann mit einem Stock der mir im Weg steht, ich rufe ihm zu er soll Platz machen, aber er reagiert nicht. Ich renne ihn fast um, doch zum Glück fällt ihm nur der Stock aus der Hand. Ich drehe mich um und rufe: Entschuldigung bevor die Bustüren hinter mir zugehen.
Der Bus ist brechend voll, ich bekomme also keinen Platz mehr. Es ist sehr eng, von allen Seiten wird gedrängelt. Zum Glück schaffe ich es mich an einer Schlaufe festzuhalten als der Bus scharf bremst. Ich bin froh, dass ich nur noch drei Stationen in diesem stickigen überfüllten Bus fahren muss bis meine Haltestelle „Schulstraße“ kommt und ich aussteigen kann. Kaum bin ich ausgestiegen, höre ich die Schulglocke läuten, wenn ich jetzt Gas gebe, schaffe ich es auf jeden Fall vor der Lehrerin im Klassenzimmer zu sein.